Ein Selbstverständnis als Zeichnerin habe ich insoweit, als dass Zeichnen für mich die meisten meiner Arbeiten, Überlegungen, Versuche und deren Resultate zu umfassen vermag. Mein Zeichnen sehe ich als ein Phänomen des Angrenzens, der Rührens an (damit bestimmte) Wirklichkeit. Vielleicht nur beiläufig oder vorläufig, entsteht dabei eine Spur auf einer mittelnden (Papier-)Membran, die sich zwischen einen Gegenstand und mich schieben lässt. Dann ist Zeichnung auch (bedingende) Blattkante, Bildrand, Schnitt, Rand zum Raum, Bildkonstituierendes … oder Inzwischen. Was aber ist – einerseits, andererseits – Zeichnen?
Ich begreife Zeichnen eher als Grenzgang (meiner Arbeit entsprechend vielleicht als Umsaum) einer Feldforschung. Eine Zeichnung ist dann ein Rainfarn, ein bestimmtes zwischen unbestimmten Umgebungen, die ich auslote. Auf der Suche nach einem Sublimen ist dieses Schwanken entlang eines Limes zwar ein eher zweifelnder Vorgang, bleibt aber wichtig, auch wenn dann manches stellenweise nicht nachvollziehbar.
Dieses Holunder-Halten hat mich lange beschäftigt, als bildhafte Entsprechung von Hand- und Fruchtteller, Blut und Saft, Adern und Zweigen, Kuppen (Kappen), Knospen und okulierenden Augen (Braille). Das Fotografieren ist in der Tat aber auch ein zeichnerischer Vorgang (Hand I, Gegenstand, Auge), welcher der Kamera als zweiten Raum (Hand II, Kamera, Auge) unmittelbar bedarf. Zeichnen, Berühren und Aufzeichnen verschränken sich, ausgestanzt durch den Moment des Belichtens. Découpage ist endlich auch ein Terminus des Filmschnitts.
in:
Katharina Hinsberg: Holder, in: Edith Wahlandt Galerie (Hg.): Katharina Hinsberg. Die Annahmen der Linie, Stuttgart 2007, S. 67.
Brief, 13. Mai 2001. (an Stefan Gronert, Kunstmuseum Bonn, als Antwort auf seine Fragen zur Arbeit Holder/Holder, Art Cologne, 2001
Katharina Hinsberg: Holder, in: Edith Wahlandt Galerie (Hg.): Katharina Hinsberg. Die Annahmen der Linie, Stuttgart 2007, S. 67.
Brief, 13. Mai 2001. (an Stefan Gronert, Kunstmuseum Bonn, als Antwort auf seine Fragen zur Arbeit Holder/Holder, Art Cologne, 2001