Ich zeichne zwei Linien: Die erste, mäandernd, mit einem Stab auf dem Boden, in Schritten gemessen, so lang wie die Gesamtlänge der Wände. Die zweite, umlaufend, auf den Wänden selbst, im Auf und Ab meiner Zeichenhand, Türen und Tore auslassend. Vertikal bzw. horizontal in den Raum gedacht, schneiden sich beide Linien in einer dritten. Deren genauer Verlauf ist nicht vorhersehbar, aber er ist mit den beiden Linien bereits festgelegt und wird im Folgenden verwirklicht.
Die Bodenlinie wird dafür punktweise, in Abständen von 10 cm, mit dem Laser an die Decke gelotet. Auf diesen Punkten werden feine Nylonfäden fixiert, an denen kleine rote, handgeformte Kugeln hängen. Die Höhen dieser Kugeln bemessen sich, ebenfalls in Abständen von 10 cm, am Verlauf der Wandlinie. Aus der Folge dieser Kugeln setzt sich dann, Punkt für Punkt, die dreidimensionale Linie im Raum zusammen. Meine Vorstellung einer Linie wird zu dieser einen spezifischen Linie im Raum.
in:
Katharina Hinsberg: Katharina Hinsberg. Ich möchte eine Linie im Raum, hg. Katharina Hinsberg, Ausst. Kat. Kunsthalle Göppingen, Wien/Hombroich 2019. (Anm. keine Seitenzahlen im Katalog vorhanden.)
Katharina Hinsberg: Katharina Hinsberg. Ich möchte eine Linie im Raum, hg. Katharina Hinsberg, Ausst. Kat. Kunsthalle Göppingen, Wien/Hombroich 2019. (Anm. keine Seitenzahlen im Katalog vorhanden.)