Ich traue den weitläufigen Gärten nicht.
Strichweise verzeichnen. Indem ich hier Figuren lösche, schneide, stanze, finden sich andere ein. Auslösen, was nur einzubilden ist, einen Zwischenraum breiten, entzwischen.
Raupen, die das Blatt ausschneiden, bis ins Netzhaut-Gehäkel der Blattspreite – Insektionen, feuilles ajourées, als Futter dann des Imago, der Entfaltung (des Falters).
Löwenzahnschirmchen, die ich ins Abendlicht blase, und wie sie dann kurz stehen, leuchtend, gegen das dunkle Gras.
Alsbald versuche ich, mit geschlossenen Augen zu zeichnen. Es ist überraschender, wie ein Geruch im Gehen schemenhaft und jäh, wie er den Raum einfaßt, sich auflöst in (Baumwipfel, Gräser, Heue, Reif-Hieroglyphen, Wolkenformationen und ein ganzes Abendpanorama aus Forken, Mostbirnen und Fliegen auf der Milch) – Linien zwischen Himmeln und Hügeln.
Gerüste gefüge, die Seh-Sucht wie Zustände, und die Summe (das Summen) kleiner Momente, winzige Abblätterungen nur, nicht zuende gedacht oder ins Völlige ausgeführt, immermehr ein Ablassen und Anheben, das leise (stimmen) wird, Grillen. Es hat geschneit. Das ganze Zimmer blüht in der lichten Stille des Schnees (der draußen fällt).
in:
Katharina Hinsberg: [Ich traue den weitläufigen Gärten nicht], in: Katharina Hinsberg. Zeichnung heute II, hg. von Kunstmuseum Bonn, Ausst. Kat. Kunstmuseum Bonn, Bonn 1998, S. 20.
Katharina Hinsberg: [Ich traue den weitläufigen Gärten nicht], in: Katharina Hinsberg. Zeichnung heute II, hg. von Kunstmuseum Bonn, Ausst. Kat. Kunstmuseum Bonn, Bonn 1998, S. 20.