Katharina Hinsberg

Kamilla Kolesniczenko

Katharina Hinsberg zeichnet – auf Papier, auf Wände oder in den Raum hinein. Die Kunstwerke der Künstlerin und Professorin arbeiten mit ihrer Umgebung: Sie nehmen sie ein, sie gliedern sie, sie verschmelzen mit der Architektur. Katharina Hinsberg nutzt Elemente der Zeichnung, um reale und irreale Raumformen zu kreieren. Sie schafft Verknüpfungen. 
    Das wichtigste Instrument ihrer Kunst ist die Linie. Sie entsteht klassisch dann, wenn Graphit auf Papier oder eine Fläche aufgetragen wird. Ein Schnitt, der Papier oder den Rand einer Fläche markiert, stellt optisch aber ebenso eine Gerade dar. Eine Linie entsteht auch, wenn mehrere Ebenen von Papier übereinandergelegt werden. Oder wenn sich eine Fläche in den Raum ausbreitet ... 
    Katharina Hinsberg arbeitet mit all diesen Facetten der Linie. Sie komponiert sie, indem sie Papier im Raum anordnet und damit Linien neben-, über- oder untereinander legt. Das Raster, das so entsteht, trägt einzelne (Farb-) Flächen, die sich wie Pixel zu einem Ganzen verbinden. Sie ergreifen den Raum. Auf diese Weise zeichnet die Künstlerin in ihn hinein. 
    Das Bestreben sich dreidimensional auszubreiten, verleiht den Raumzeichnungen ihren installativen Charakter. Die Wand als Bildträger verschwindet, mal in der Tiefe der übereinander drapierten Linien und Flächen - mal definieren aber auch die im Raum komponierten Flächen die Wahrnehmung desselbigen neu. Die Wand und mit ihr der Ausstellungsort werden auf diese Weise von der Linie besetzt. Die Kunst von Katharina Hinsberg ist somit raumgreifend und gleichzeitig auf das Wesentliche reduziert. 

in:

Kamila Kolesniczenko: Katharina Hinsberg, in: Prix d’Art / Kunstpreis Robert Schuman, hg. von Nathalie Filser, Ausst. Kat. École supérieure d’art de Lorraine, Metz 2018. (Anm. keine Seitenzahlen vorhanden, da lose Blattsammlung)