[Marfa]

Katharina Hinsberg

Im Umfrieden, was einem lieb ist, fängt etwas anderes an. Festschreiben, wie ein Festhalten unmögljch ist. Gartenzaun, Gehege, ein Garten. Und darin würde Gegebenes zum Besonderen, wird Unkraut Kraut, wird Kraut bestimmt, wird Majoran, Lilie, Sellerie. Wüchse innerhalb eines Zaunes dasselbe wie außerhalb, dann wär's trotz allem ein Garten, ein wild-wilder Garten. Dibutade zeichnete den Schattenriss ihres Freundes an die Wand, markierte die Grenze zwischen Schattenbild und lichter Fläche. Es ist eine Grenzlinie, die das Werk umzeichnet und damit scheidet, was zum Bild, was zur Umgebung gehört. Eine Zeichnung besteht mithin allein durch ihre und in einer Grenze; beispielsweise durch die bleibende Markierung eines schwindenden, verschwundenen Schattens, ist sie aber nicht. Eine dem Papier entschnittene, gezeichnete Linie, entledigt der eigentlichen Umgebung, bestimmt etwas anderes, wie ein Weidedraht. 

Jetzt entstehen größere Zeichnungen in dichten, einfach nur geklopften Strichen. Kein Schwärmen, Mücken, Flugsamen, Graupeln, Treiben mit Wirbeln, Schwirren, stiebende Grannen. Rapide strichle ich Hiebe auf's Blatt. Dann sitze ich lange und schneide sie aus, säume Strich für Strich mit einem Schnitt, und iöse sie, löse sie aus. Sie sind dann dem Blattrand gleich. Jeder Schnittrand ist Bildkante, ist Zeichnung: Linie zwischen Blatt und Wand. Es gebe Richtungen, das, was mich eben interessiert.

in:

Katharina Hinsberg: [Marfa], in: Installation + Zeichnung, hg. von Galerie Gaby Kraushaar, Ausst. Broschur Galerie Gaby Kraushaar, Düsseldorf 2000, S. 1.