Perceiden

Katharina Hinsberg

Mit dicken Grafitminen entsteht eine Vorzeichnung auf Papier; ihre Maße entsprechen den Dimensionen der vorgesehenen Wand. Diese Vorzeichnung wird vorübergehend mit Nadeln auf der Wand fixiert. Die gezeichneten Linien werden punktuell per Bohrung durch das Blatt in die Wand übertragen.

Der Linienverlauf der Zeichnung wird durch Bohrlöcher interpretiert: der Durchmesser des Bohrers entspricht der Linienbreite, der Abstand der Bohrungen der Dunkelheit und Dichte der Linien. Die Papierbahnen werden nach Abschluss des Transfers von der Wand entfernt und als künftige Schablonen verwahrt. Die fertige Arbeit besteht aus den Bohrlöchern in der Wand.

Im Spätsommer, jährlich um den 12. August, erscheinen, aus dem Sternbild des Perseus, die Perseiden: unzählige Sternschnuppen. Später dann die Schwärme der September-Perseiden, allesamt Reste des Kometen 109 P/Swift-Tuttle. Mich interessiert in diesem Zusammenhang eine antike Legende zur Entstehung der Sterne als Löcher in der Membran des Himmels und das französische Wort percer für bohren oder stechen in der wörtlichen Nachbarschaft von percevoir für sehen und wahrnehmen.

in:

Katharina Hinsberg: Perceiden [Konzept], in: Katharina Hinsberg. Perceiden, hg. von Katharina Hinsberg, Ausst. Kat. Kunstmuseum Stuttgart, BMELV Berlin, Birmingham Museum und Art Gallery, Wien/Hombroich, 2013. (Anm. keine Seitenzahlen im Katalog vorhanden.)