Raumschnitt Membran. Diffuse Assemblage

Katharina Hinsberg

Eine spezielle Form der Diffusion ist die Osmose über semipermeable Membranen von einer weniger konzentrierten in eine konzentriertere Lösung. Dabei kommt es tendenziell zum Ausgleich der Konzentrationen.

16 Studierende arbeiten entschieden gemeinsam an einem Projekt. Diese Art der Werkproduktion geht einher mit dem weitgehenden Verzicht auf erkennbare Urheberschaft des Einzelnen. Zusammen generieren alle Beteiligten das Verfahren, und je mehr sie sich darauf einlassen, desto mehr verteilen sich die Chargen einzelner in der Einhelligkeit der Sache. In einem abgeschlossenen System – oder dem überschaubaren Raum der Galerie – führt dies mit der Zeit zur weitgehenden Durchmischung der unterschiedlichen Kapazitäten und zur Lösung – manchmal auch Auflösung – partikularer Interessen im kollektiven Prozess. Ist ein kollektives Werk ein Cluster kommunizierender singulärer Angelegenheiten? Wie bleibt ein solches Verfahren künstlerisch produktiv? Ist darin das eigene eigentlich aufgehoben? – Das ›Künstler-Ich‹ kollabiert kollaborierend.

Probeweise startet jeder mit seinen Ideen; die eigenen Maßnahmen werden an den noch unscharfen Vorstellungen von gemeinsamen Regeln überprüft – die Maßnahmen der anderen an denen der eigenen. Daraus artikulieren sich dann die Bedingungen für den weiteren Projektverlauf. Die Diffusion folgt den einzelnen Setzungen, die dann zwischen den Folien fluktuieren: permeables Malen.

Die Operationen wiederholen sich vielfach im Staffelecho der Raumschnitte und sind in ihrer Autorschaft dann kaum mehr zu isolieren. Es entsteht eine Assemblage mit ungewissen Ausgängen, von allen beeinflusst, wechselweise dominiert, von keinem beherrscht. In der Gemeinsamkeit überschneiden, durchkreuzen und ergänzen sich die eigensinnigen Vermögen, sodass sie, selbstlos, zuweilen über die Fähigkeiten des Einzelnen hinausführen. Manchmal sind die Prozesse zäh abhängig vom momentanen Engagement einzelner. Und das Gegenteil ist auch der Fall: im gemeinsamen Erörtern, Organisieren und Handeln wächst ein festives Werkvergnügen, bei dem es völlig unwesentlich ist, wer welche Ideen einbrachte oder wer welchen folgenreichen Impuls gab. Jedes Engagement riskiert seine uneigennützige Verschwendung, es vermischt, vernebelt oder vervielfacht sich. Die Möglichkeiten wachsen und bleiben indessen so beweglich wie das vorläufige Ende. 

in:

Katharina Hinsberg: Raumschnitt Membran. Diffuse Assemblage, in: Diffused. Raumprozess, Malerei, Zeichnung, Assemblage, hg. von Andreas Bayer und Katharina Hinsberg, Ausst. Kat. Galerie im KuBa, Saarbrücken 2013. (Anm. keine Seitenzahlen angegeben)