Schraffen sind zunächst eng gescharte Reihen kurzer Fallstriche in Landkarten. Sie verzeichnen – in der Repetition und Verdichtung von Linien – die Reliefs von Landschaften, von Böschungen, Hängen und Hügeln.
Aber im Grunde interessieren mich vor allem Schraffuren: Der Beiläufigkeit und Wiederholung ihrer Striche läuft etwas mit, das in seinen Schwüngen unmittelbar an die Bewegung der Hand gebunden ist. Während sich die schnellen, repetitiven Striche in der Modulation von Flächen auflösen (und darin eben gerade nicht singulär sind), offenbart sich in ihnen zugleich die einzigartig zeichnende Hand. Oder die eine und die andere Hand, ich zeichne mit beiden, abwechselnd, rhythmisch, fallend, zögernd oder so fest, dass fast die Mine bricht. Es wächst ein Gestrüpp einzelner Striche, die sich zu einem zusammenhängenden Liniennetz fügen.
Wenn ich so ein Netz dann ausschneide, folge ich sorgfältig den porösen Linienrändern mit dem Skalpell. Der Schnitt in die Bildfläche öffnet und transformiert die Zeichnung wesenhaft, indem er die gezeichneten Gesten wiederholt und freistellt. Der Schnitt befragt die Gemachtheit und Autorschaft der Zeichnung, verdinglicht und durchlässig, als vielgliedrige, labile und filigrane Struktur.
in:
Katharina Hinsberg: [Schraffen], in: Paper positions. Award #05. Katharina Hinsberg, hg. von Positions Berlin, Ausst. Broschur Paper Position Berlin, Berlin 2014. (Anm. keine Seitenzahlen vorhanden.)
Katharina Hinsberg: [Schraffen], in: Paper positions. Award #05. Katharina Hinsberg, hg. von Positions Berlin, Ausst. Broschur Paper Position Berlin, Berlin 2014. (Anm. keine Seitenzahlen vorhanden.)