Ich werde mit meiner Arbeit dort anknüpfen, wo die textile Produktionskette in diesem Raum damals endete: mit dem gesponnenen Faden. Ich werde die Bodenfläche des Raumes vor Ort mit einem langen roten Faden, in Länge (L) und Breite (W), ausmessen. Der Faden misst den Raum und wird von diesem bemessen – und am Ende abgeschnitten.
Der Faden bleibt ungeschnitten in ganzer Länge, wenn ich das Längenmaß (L) zu Kettfäden auf einem Webrahmen aufspanne, und diese horizontal mit dem Breitenmaß (W) als Schussfaden verwebe. Der Faden hat die Maße des Raumes, er behält sie sozusagen ›im Sinn‹. Und er kommuniziert und verbildlicht diese Erinnerung, wenn die Fadenlinie wieder zu einer Fläche (gewebt) wird, welche den Dimensionen des Raumes entspringt und diesen exakt entspricht. So wird das tatsächliche Bodenmaß in ein Modell des Bodens überführt, in einem Maßstab 1:100.
in:
Katharina Hinsberg: [Warp + Weft], in: Cloth & Memory, hg. von Lesley Millar, Ausst. Kat. Salts Mill, Saltaire, UK 2013, S. 66–68.
Katharina Hinsberg: [Warp + Weft], in: Cloth & Memory, hg. von Lesley Millar, Ausst. Kat. Salts Mill, Saltaire, UK 2013, S. 66–68.