Weiße Découpagen entstehen beim Ausschneiden der Zeichnungen, indem ich ein zweites Blatt unterlege. Sobald ich die Zeichnung nun, ihren Rändern entlang, ausschneide, schneide ich gleich ihr Doppel in weiß. Die Zeichnung wird so zur formgebenden Matrize, in deren Umrissen Schnitt und Papier zu einem anderen Stellenwert kommen. Nunmehr Figur, ohne Zeichnungshandschrift, ohne Modulation des Strichs, steht Papierweiß diaspern auf dem Weiß der Wand. Weiß auf weiß sind die Objekte fast unsichtbar.
Es ist der Schatten, der die weißen Découpagen mit ihrem Abstand zur Wand sichtbar werden lässt. Der Schatten – und hier erscheint die Zeichnung wieder – der sich auf der Wand abzeichnet, moduliert sich mit dem Licht und der Krümmung des Papiers. Das Objekt wird wiederum Matrize für die Schattenzeichnung, wird strichweise unterschieden, taucht aus dem Weiß auf – verschwindet darin.
in:
Katharina Hinsberg: Weiße Découpagen, in: Edith Wahlandt Galerie (Hg.): Katharina Hinsberg. Die Annahmen der Linie, Stuttgart 2007, S. 16.
Text zur Ausstellung »Album«, Akademie Schloß Solitude, 1997
Katharina Hinsberg: Weiße Découpagen, in: Edith Wahlandt Galerie (Hg.): Katharina Hinsberg. Die Annahmen der Linie, Stuttgart 2007, S. 16.
Text zur Ausstellung »Album«, Akademie Schloß Solitude, 1997